Die Auferstehung der Kleinlokomotive 322 607-3 als Museumslok
322 607-3 im Betriebswerk Kempten am 03.11.1980 Foto: Andreas Böttger
1934 lieferte die Firma Krauss-Maffei unter der Fabriknummer 15429 die als Kö 4293 bezeichnete Maschine an die damalige Deutsche Reichsbahngesellschaft aus. Bis zum Jahreswechsel 1968 lief die Lok unter dieser Bezeichnung. Mit Einführung der EDV-Nummern wurde die Lok in 322 607-3 umgezeichnet.
1980 wurde die Lok aus dem Bestand der Deutschen Bundesbahn ausgemustert und im Juli 1981 an die Chemischen Werke Budenheim verkauft. Dort wurde die Lok als „Werkslok 1“ bezeichnet und im Werksrangierdienst eingesetzt. Für die Zwecke der Firma wurden leichte Veränderung vorgenommen, unter anderem erhielt sie ein geschlossenes Einheitsführerhaus ohne Heizung sowie andere, unpassende Vorbauklappen sowie einen gelben Anstrich. Bei der Chemischen Fabrik Budenheim war die Lok bis etwa 1996 im Einsatz, bevor die Untersuchungsfristen abgelaufen waren und der Gesamtzustand eine gründliche Aufarbeitung verlangte. Daher wurde die Lok endgültig außer Dienst gestellt. Am 30.03.2001 verließ die Lok als offiziell letztes Schienenfahrzeug geschleppt die Gleisanlagen der Chemischen Fabrik Budenheim. Dabei wurde der Schrotthaufen (was anderes konnte man wirklich nicht mehr zu dem Fahrzeug sagen) von einer Diesellok, einer Privatbahn V 65, zur Fa.InfraServ/Wiesbaden geschleppt.
Bei der Fa. InfraServ wurde die 322 607-3 zunächst soweit hergerichtet, dass sich wieder aus eigner Kraft bewegen konnte um sich ein Bild vom technischen Zustand machen zu können.
Motor und Getriebe sind dabei trotz langer Abstellzeit in einem sehr guten Zustand gewesen. Von November 2002 bis April 2004 wurde die Lok dann einer Vollaufarbeitung unterzogen, obwohl es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller gewesen wäre, die Lok zu verschrotten. Die Lok wurde völlig abgewrackt, gesandstrahlt, unzählige Bleche am Führerhaus und Motorvorbau mussten ersetzt werden. Die Achsen waren zu ersetzen, die Elektrik war vollständig zu erneuern, die Kühlerjalousie war dermaßen vom Rost zerfressen, dass diese zum großen Teil neu gebaut werden musste. Viele Teile waren unbrauchbar und mussten ersetzt werden.
Nach vielen Rückschlägen konnte die Lok letztendlich mit dem Untersuchungsdatum 28.04.2004 nach EBO wieder in Betrieb genommen werden.
Es ist fast unvorstellbar dass es selbst für eine so „lumpige“ Köf so problematisch war, alle erforderlichen Teile zu beschaffen - vieles musste neu angefertigt werden, denn die Lok sollte weitgehend wieder original hergestellt werden .
Bevor die Instandsetzung begann, bewegte sich die Lok am 01.11.2002 letztmalig im desolaten Zustand. Ihre ersten Gehversuche als Museumslok erfolgten dann im Februar 2004. Die Eisenbahntechnische Wiederzulassung erfolgte mit der Abnahmeuntersuchung gemäß EBO am 28.04.2004. Bei der Aufarbeitung als Museumslok blieb das geschlossene Führerhaus beibehalten, die Vorbauklappen wurden jedoch wieder durch die alte Ausführung ersetzt. Heute präsentiert sich die Maschine in der Lackierung und Beschriftung im DB-Zustand, der die Epoche IV darstellt, beschriftet mit BD München, Bw Kempten der letzten Dienststelle bei der DB vor der Außerdienststellung.
Die Lok wurde äußerlich als DB-Lok 322 607-3 in altrot aufgearbeitet. Stationiert ist sie bei der Historischen Eisenbahn Frankfurtgelegentlich findet die Lok auch den Weg zu Ihrer zweiten Geburtsstätte nach Wiesbaden zurück, wenn größere Wartungs-arbeiten anstehen, denn auch eine kleine Lok braucht Ihre Pflege. Die Jungfernfahrt als Museumslok führte die Lok an Pfingsten 2004 zur Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn AG.
Seither ist die Lok zusammen mit der Kö 5712 und der V 36 406 eine wichtige Stütze beim Verein bei Rangierarbeiten im Gelände oder bei Fahrten auf der Hafenbahn.
Ohne das große Entgegenkommen der Fa. InfraServ/Wiesbaden wäre die Aufarbeitung nicht möglich gewesen. Die Lok war in vielen Bauteilen nur noch Schrott und aus wirtschaftlicher Sicht hätte man die Lok verschrotten müssen.
Mein besonderer Dank gilt allen Freunden, Bekannten die mir bei der Aufarbeitung zu diesem Schmuckstück geholfen haben, insbesondere dem Werksmeister Thomas Biller dem Dipl. Ing. Wolfgang Hühnerbein sowie den Mitarbeitern im Bahnbetrieb bei InfraServ/Wiesbaden Technik GmbH die mich bei dem Projekt unterstützt haben.
Wolfgang Rotzler/Mai 2005
